Kassel - Eine Stadt vermüllt

Media

Kassels Straßen und Grünstreifen vermüllen immer mehr

 

Jeder, der in Kassel wohnt, dürfte ihn kennen: den Anblick von Plastikmüll, der sich auf Straßen und Gehwegen verteilt. Schuld sind die riesigen Berge von gelben Säcken, die sich an Bäumen und anderen Orten stapeln. Dass die Stadtreiniger bald wieder die gelben Säcke einsammeln, kündigt sich mit solchen Bildern meist schon Tage vorher an. In manchen Gegenden machen sich die Anwohner nicht einmal mehr die Mühe, überhaupt auf den im Internet kostenlos runterladbaren Abfallkalender zu schauen, sondern stellen die gelben Säcke einfach raus, wenn sie voll sind.

 

Die Stadtreiniger appellieren seit Jahren an die Einsicht der Bürgerinnen und Bürger. Mittlerweile wurden an den schlimmsten Ecken bereits Hinweisschilder aufgestellt, auf denen steht, dass das Abladen von gelben Säcken erst am Abend vor der Abholung gestattet ist. Doch kaum jemand hält sich an diese Regelung. Das führt dazu, dass sich Waschbär und Co. an den Säcken gütlich tun und sich der Plastikmüll so unkontrolliert auf den Straßen verbreiten kann. Doch selbst wenn man sich an die Regelung hält und zusätzlich kein Waschbär vorbeischaut, kann das Wetter dafür sorgen, dass das Stadtbild trotzdem vermüllt wird, wenn gelbe Säcke hin- und herfliegen oder wegen des dünnen Plastiks, aus dem sie hergestellt werden, nahezu von selber aufreißen.

So ist eine vollkommen verdreckte Wilhelmshöher Allee oder Friedrich-Ebert-Straße an einem Freitagmorgen nach einer windigen Nacht keine Seltenheit.

 

Bei den Stadtreinigern kann man eine sogenannte Bereitstellungstonne anfordern, in der die gelben Säcke bis zur Abholung aufbewahrt werden können, die allerdings privat bezahlt werden muss. Ein solches System löst die oben aufgezählten Probleme mit einem Schlag. Viele Bürgerinnen und Bürger wissen jedoch nicht von dieser Möglichkeit - hier besteht dringender Aufklärungsbedarf. Des Weiteren sollte die Website der Stadtreiniger diesbezüglich überarbeitet werden, da es relativ schwierig ist herauszufinden, wie und wo man die Tonnen beantragen kann und was sie kosten.
 

Viel zu wenige Bürgerinnen und Bürger nutzen diese Möglichkeit.

Auch die Stadtreiniger appellieren wegen der vielen Probleme mit den gelben Säcken seit Jahren dafür, gelbe Tonnen verpflichtend einzuführen. Allerdings sind die Verantwortlichen hierfür die Dualen Systeme und deren Vertragspartner. Die Stadtreiniger Kassel sind nur als Subunternehmer von diesen beauftragt die Säcke einzusammeln.

Diese komplizierte Sachlage macht es schwierig, die unzeitgemäße Nutzung von gelben Säcken zu unterbinden.

Da eine Einführung von Sammelbehältern ausschließlich von den Dualen Systemen durchgeführt werden kann, bleibt als einzige Möglichkeit nur eine von der Stadt Kassel durchgesetzte, verpflichtende Anschaffung von Bereitstellungstonnen für jedes Wohnhaus. Dies würde zwar einmalige private Investitionen verlangen, scheint aber offenbar die einzige Möglichkeit zu sein, gegen die Vermüllung unserer Stadt vorzugehen.

Text: Verena Krack

 

 

Amber-Bäume

 

An den neu gepflanzten Amber-Bäumen sammelt sich ebenfalls sehr viel Müll. Unserer Forderung nach einer Bepflanzung, was nicht nur für ein schöneres und sauberes Stadtbild sorgen würde, sondern auch eine Bereicherung für Insekten wäre, kann die Stadt nicht nachkommen. "In der Friedrich-Ebert-Straße ist es leider so, dass die Baumscheiben in dem die Bäume gepflanzt sind etwas tiefer liegen und dann mit einem ebenerdigen Gitter zugedeckt sind. Das ist als weitere Parkfläche für Autos gedacht und wird auch so genutzt. Die Autofahrer können bis nah an den Stamm des Baumes heran fahren. Das bedeutet das dort leider nichts gepflanzt werden kann weil es nicht lange überleben würde", so Steffen Müller, Ortsvorsteher Vorderer Westen.

Wir finden, dass man hier prima mit Sedumpflanzen arbeiten kann. Die sind sehr genügsam und können sowohl viel Wasser wie auch lange Trockenphasen überstehen. Alle Sedumarten werden in der Blütezeit gerne von Bienen (Bienenweide) und anderen Insekten besucht und tragen hierdurch zur Erhöhung des Futterangebotes für viele Insekten bei. Nicht alle Gitter dienen als zusätzliche Parkflächen, z.B. an Haltestellen, wo sich besonders viel Müll ansammelt.

Publikationen

Weiterführende Links

Abfallkalender
10 Tipps für weniger Plastik
Forderung nach gelber Tonne
Ärger über Gelbe Säcke in Kassel
Plastikmüll vermeiden – Die besten Tipps der Greenpeace-Förderer