Plastikmüll - Endstation Meer?

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Vom Wahlebach zur Müllkippe Meer

Vermutlich haben die Menschen ihren Unrat immer schon gern in Flüsse und ins Meer gekippt. Aus den Augen, aus dem Sinn. Doch während Organisches wie Küchenabfälle fix abgebaut ist, lebt unser moderner Müll weit länger und belastet das Meer.

Heute fand ein bundesweiter Greenpeace-Aktionstag statt: Unter dem Motto  #WELLEMACHEN  fanden sich viele fleißige HelferInnen am Wahlebach in Kassel zusammen. Hier konnten wir säckeweise Müll aus dem Wasser fischen. Das Ergebnis hatten wir anschließend in der Innenstadt präsentiert.

Plastikmüll im Meer ist ein globales Umweltproblem. Allein von Land aus gelangen jährlich bis zu 13 Millionen Tonnen Plastikabfälle in die Ozeane. Unsere Meere verkommen zum Plastikendlager. Nicht nur für zahlreiche Meerestiere birgt das Gefahren. Überall in den Meeren sind Mikropartikel aus zerfallenem Plastik zu finden. Sie werden von verschiedenen Organismen, vom Einzeller bis zum Fisch, mit der Nahrung aufgenommen - und damit letztlich auch vom Menschen.

Plastiktüten sind für viele noch immer normal – an der Kasse und besonders am Obst- und Gemüseregal. Die Politik hat das Problem erkannt, doch bei der konsequenten gesetzlichen Lösung hapert es. Die EU verlangt, den Jahresverbrauch bis 2025 auf unter 40 Tüten pro Kopf zu reduzieren. Ambitioniert ist das nicht. Und die Bundesregierung? Setzt blauäugig auf eine freiwillige Verpflichtung von Handel und Verbraucher. Dabei macht Irland vor, wie es geht: Dort hat man binnen weniger Monate den Jahresverbrauch pro Kopf um 95 Prozent von 328 auf 18 Plastiktüten gesenkt. Ganz einfach: mit 44 Cent Abgabegebühr.

Mikroplastik verschmutzt als unsichtbare Gefahr unsere Flüsse, Seen und Ozeane. Schuld sind vor allem Gegenstände des Alltags: Kosmetika, Reinigungsmittel, Kunstfasertextilien, Autoreifen, Flaschen, Verpackungen und Tüten. Oft gelangen die winzigen Teilchen über unsere Haushaltsabwässer in die Umwelt. So werden zum Beispiel aus einem einzigen Fleece-Pullover pro Waschgang über 1.900 Fasern herausgeschwemmt.

Das Problem: Mikroplastik ist nicht nur ein Fremdkörper mit giftigen Zusatzstoffen. Die Zusatzstoffe im Plastik, wie zum Beispiel Pthalate, die auch unter dem Namen Weichmacher bekannt sind, bestimmen die Eigenschaften der Plastikprodukte und können toxisch wirken. In Plankton, Muscheln, Garnelen und Fischen wurde Mikroplastik bereits nachgewiesen.  Obwohl viele der nachweislich gesundheitsschädlichen Stoffe mittlerweile in der EU verboten sind, enthalten eingeführte Produkte oft immer noch giftige Stoffe. Viele langlebige Giftstoffe bleiben in den Meeren erhalten und landen mit dem Fisch auf unserem Teller.

Ich werfe meinen Müll doch nicht ins Meer?!

80 % des Mülls im Meer stammen von Quellen an Land, die restlichen 20 Prozent von Schiffen und Bohrplattformen. Weil Plastik so haltbar ist und bis zu 500 Jahre erhalten bleiben kann hat es große Chancen, über Flüsse und den Wind irgendwann im Meer zu landen. Und das auch, wenn es ursprünglich auf einer Müllhalde weit weg vom Meer gelagert wurde.

Die Lösung: Die Verschmutzung der Meere kann nur durch die konsequente Umsetzung bereits bestehender Regeln gestoppt werden. Dazu brauchen wir mehr Kontrollen auf See, in den Häfen und an Abwasserausflüssen sowie harte Strafen bei Vergehen. Schifffahrt, Offshore-Industrie und Landwirtschaft müssen endlich ihrer Verantwortung gerecht werden. Und jeder Einzelne ist gefordert, weniger Müll zu produzieren und diesen sauber zu entsorgen.

 

Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack ist gemeinsam mit Rainer Borcherding von der Schutzstation Wattenmeer Hörnum am Sylter Strand unterwegs, um die Gefahren des Plastikmülls zu untersuchen. Das Ergebnis ist erschreckend. ► Video

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